O, Künstlerin und Galeristin – deutsch

Während des Putschversuches war ich in Europa, ich habe dort während meines Kunststudiums gelebt. Mein Vater war in der Nähe der Brücke, ich konnte ihn stundenlang nicht telefonisch erreichen. Ich hatte solche Angst um ihn. Das war ein schlechtes Gefühl. Und selbst wenn ich sofort nach Istanbul hätte kommen wollen, hätte ich nicht gekonnt, denn alle Flüge wurden gestrichen.

Ich habe fast 4 Jahre lang in Italien gelebt. Bevor ich nach Europa gefahren bin, waren gerade die Gezi-Proteste in Istanbul. Ich war da, demonstrieren, mit der Situation klarkommen und alles. Es hat sich so schlimm angefühlt, zu wissen, das dein eigenes Land nicht an deiner Seite ist. Als ich nach Italien gekommen bin, war alles anders, die Menschen waren freundlich, Ich habe mich zu Hause gefühlt, sogar mehr als in der Türkei. In einem anderen Land nochmal neu anzufangen, hat mich an etwas anderes denken lassen: Du findest dich selbst eher in einem anderen Teil der Welt.

Als ich dann zurück in der Türkei war, hatte ich erst Angst, raus zu gehen, weil es so gefährlich geworden war. Aber wenn du wieder öfter ausgehst, gewöhnst du dich an alles. Das Schlimmst an all dem ist, das man sich an die schlechten Dinge gewöhnt – denn sie werden normal. Aber das sollte nicht so sein.
Ich denke nicht, das wir Angst haben sollten – denn das wollen sie erreichen. Sie wollen alle deine Gefühle ausradieren – so, dass du ihr Roboter wirst. Das ist das Schlimmste daran. Wir müssen diese Gefühle bekämpfen.

Doch sie sind an der Macht, also brauchst du besonders als Künstler viel Mut, um deine Gefühle in deiner Arbeit auszudrücken. Ich versuche, positiv zu denken – sobald du anfängst, negativ zu denken, kommen die negativen Dinge zu dir. Ich habe deshalb einen Ort in der Türkei eröffnet, an dem die Menschen sich sicher und vereint fühlen können (Anmerkung: eine Galerie für moderne Kunst).

Ich weiß nicht, was in der Zukunft der Türkei passieren wird. Wenn du dir ansiehst, was in den letzten 2 Jahren passiert ist, ist es nicht einfach, optimistisch zu bleiben – aber ich versuche, nicht die Hoffnung zu verlieren. Während der Gezi-Proteste hatten wir ein bißchen Hoffnung, dass sich die Dinge zum Guten ändern. Aber stattdessen wurde alles schlimmer. Die Probleme sind überall. Sie beeinträchtigen dich in jedem Detail deines Lebens.

Europa könnte uns in dieser Lage mehr helfen, stattdessen ignorieren sie uns oder machen alles komplizierter, zum Beispiel die Visa-Prozeduren.

 

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