C, Fotograf und Designer – deutsch

Während des Putschversuchs war ich in Istanbul, keine 5 km von der Bosphorus Brücke entfernt, ich konnte alles hören, es war sehr nah. Die Situation in der Türkei war zu dieser Zeit sehr angespannt. Wenn es nicht der Putsch gewesen wäre, wäre irgend etwas anderes passiert. Wir hatten nur nicht damit gerechnet, dass es so schnell passiert.

Wir sind momentan im Ausnahmezustand, was heißt, das fast alles verboten ist, wenn es um Fotografie geht. Es gibt einige Orte, an denen du nicht mehr fotografieren darfst, z.B. die Istiklal Caddesi (Anmerkung: die größte Einkaufstrasse mitten im Zentrum). Wenn du dort zum Beispiel ein Foto machst, kannst du sicher sein, dass jemand kommt und dich fragt, was zur Hölle du da tust. Nicht nur die Polizei, sondern auch normale Passanten. Es herrscht eine Atmosphäre des Misstrauens.

Als Fotografen versuchen wir jetzt, uns unsere eigenen kleinen Welten zu schaffen, sichere Orte. Jeder arbeitet eher an eigenen Projekten. Ich mache heute nicht mehr viele politische Fotografien, vor nicht einmal 5 Jahren bin ich zu jeder Demonstration gegangen. Wir haben die meisten Gesetzte verloren, die uns als Künstler schützen.

Ein Freund von mir wurde vor ein paar Wochen verhaftet, er arbeitete an Fotos über die Konflikte in der östlichen Türkei. Er ist immer noch im Gefängnis.Auch eine meiner Arbeiten konnte nicht veröffentlicht werden, weil sie zu politisch war.

Die meisten Kreativen möchten das Land verlassen. Wegen der Visa-Beschränkungen können wir nicht mehr in die USA gehen. Wenn die Situation zwischen Deutschland und der Türkei noch komplizierter wird, befürchte ich, dass es damit in Zukunft ebenso schwer sein wird.

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